AWO unterstützt Proteste gegen Rassismus und Diskriminierung

Studie der Otto-Brenner-Stiftung zeigt: Auch Zivilgesellschaft steht im Fokus von Rechten

Kiel. Der gewaltsame Tod von George Floyd in den USA hat auch in Deutschland und vielen weiteren Ländern die Debatte um Rassismus und strukturelle Ungleichheit erneut auf die Straßen und die politische Agenda geholt. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die tödlichen Folgen von Rassismus und reiht sich ein in eine Vielzahl von Fällen rassistischer Gewalt gegenüber People of Colour. Beleidigungen, körperliche Angriffe, das sogenannte Racial Profiling und körperliche Angriffe bis hin zu Ermordungen sind dabei nicht nur die brutalste, sondern auch die äußerste Spitze rassistischer Gewalt. Hinzu kommen Alltagsrassismus und Diskriminierung in vielen Bereichen und auf zahlreichen Ebenen des täglichen Lebens, etwa in Behörden, im Bildungssystem, bei der Polizei, in Gerichten, auf der Wohnungssuche oder auf dem Arbeitsmarkt.Der Anschlag in Hanau, bei dem 10 Menschen ermordet wurden und die Anschlagsserie des NSU, bei der neun Menschen aus rassistischen Gründen ihr Leben verloren, zeigen wie groß das Problem auch in Deutschland ist. Weltweit leiden Menschen unter Rassismus und nicht selten endet dieser Hass tödlich.

Für die AWO steht dabei fest: „Wir bekämpfen jede Form von Feindlichkeit, Diskriminierung, Extremismus und Rassismus gegen Menschen und Gruppen. Als Gesellschaft müssen wir uns mit ausgrenzenden Strukturen und Vorurteilen kritisch auseinandersetzen und diese überwinden. Anderenfalls wird hierdurch Rassismus befördert und verfestigt. Die vor wenigen Tagen veröffentlichte Studie der Otto-Brenner-Stiftung zum Rechtspopulismus in der Zivilgesellschaft zeigt, dass alle Bereiche der Gesellschaft von rechtem Gedankengut unterwandert werden können. Sie zeigt, dass sich auch die Verbände und die Zivilgesellschaft als Teil der gesamten Gesellschaft vor dieser Unterwanderung schützen müssen. Dafür müssen wir unsere Werte - auch als Verband - immer wieder laut und deutlich nach außen und innen tragen: Rassismus, Diskriminierung und jede Form der Ausgrenzung werden bei uns nicht geduldet“, sagt der AWO Vorstandsvorsitzende Michael Selck.

Die Zahlen der Antidiskriminierungsstelle des Bundes unterstreichen die Dringlichkeit. Bei ihr sind im vergangenen Jahr erneut mehr Hilferufe wegen Diskriminierung eingegangen als im Jahr davor und am häufigsten ging es dabei um rassistische Diskriminierung. Demnach wandten sich 1.176 Mal Menschen an die Beratung, weil sie sich im Arbeitsleben oder bei Alltagsgeschäften wegen ihrer ethnischen Herkunft diskriminiert fühlten. Die Beschwerden haben sich damit im Zeitraum von 2015 bis heute verdoppelt. Auch die Regionalen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus der AWO Schleswig-Holstein beraten regelmäßig Menschen wegen rassistischer Vorfälle.

Weitere Informationen

Was wir jetzt alle gegen Rassismus tun können

Nennt Rassismus beim Namen!

Die Tante redet bei einer Familienfeier wieder darüber, dass alle Flüchtlinge kriminell seien? In der U-Bahn beschimpft jemand eine Schwarze Person? Lasst rassistische Aussagen oder Beleidigungen nicht unkommentiert stehen. Wer schweigt, trägt dazu bei, dass Rassismus unsichtbar bleibt und normalisiert wird. Zudem verschleiern Begriffe wie „Ausländerfeindlichkeit“ und “Fremdenfeindlichkeit“, dass Menschen nicht deshalb angefeindet werden, weil sie aus dem Ausland kommen, sondern weil sie aufgrund rassistischer Kriterien beurteilt werden. Sowohl Alltagsrassismus als auch institutioneller bzw. struktureller Rassismus in seinen alltäglichen wie auch gewalttätigen Formen müssen klar benannt und bekämpft werden. Lasst Euch außerdem nicht vom Vokabular der Rechtspopulist*innen verwirren, die versuchen, Begriffe aus dem dritten Reich wieder alltagstauglich zu machen.

Rassismus und eigene Privilegien erkennen!

Um Rassismus in seiner strukturellen, alltäglichen und gewalttätigen Form zu erkennen, seiner Verantwortung bewusst zu werden und eigene Vorurteile zu reflektieren, muss man ihn zunächst erkennen. Vieles passiert versteckt, es gilt daher sich zu informieren und sich selbst zu reflektieren:

Nicht von Rassismus betroffen zu sein ist mit sozialen, politischen und kulturellen Privilegien verbunden. In Hinblick auf die Partizipation an gesellschaftlichen Ressourcen profitieren Menschen, die nicht von Rassismus betroffen sind – und zwar unabhängig davon, wie sie persönlich zu diesen Ideologien stehen. Reflektiert als weiße Deutsche die eigene gesellschaftliche Position und rassistische Prägung in der Sozialisation durch die Gesellschaft.

Solidarisiert Euch und unterstützt anti-rassistische Arbeit!

Es gibt viele Möglichkeiten, an der Seite von Menschen mit Rassismuserfahrungen zu stehen: Zeigt Haltung, positioniert Euch gegen Rassismus, protestiert, hört zu, bildet Euch fort, spendet Geld, bildet Bündnisse und verschafft den Demonstrationen und Forderungen von Schwarzen und People of Color Reichweite, indem Ihr Beiträge, Kommentare, Fotos und Dokumentationen teilt. Einige Beispiel für Organisationen in der anti-rassistischen Arbeit:

Tauscht Euch aus!

Rassismuserfahrungen führen oft zu Verunsicherung und Gefühlen von Alleinsein. Der Austausch mit anderen, das Teilen von eigenen Erfahrungen in einem geschützten Raum und das Erlernen verschiedener Sich mit anderen austauschen, eigene Erfahrungen in geschützten Räumen zu teilen und so verschiedene Perspektiven des kennenzulernen ist oft hilfreich. Das Wissen und das Engagement anderer Betroffener kann empowernd wirken und neue Möglichkeiten eröffnen.

Quellen:
Amadeu-Antonio-Stiftung: https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/was-wir-gegen-rassismus-tun-koennen-58741/
Utopia: https://utopia.de/rassismus-black-lives-matter-george-floyd-189291/
Tagesschau: https://www.tagesschau.de/inland/diskriminierung-rassismus-101.html