AWO-Ausstellung zu 100 Hundertjährigen geht erfolgreich zu Ende

Finissage in der Bürgergalerie der Förde Sparkasse in Kiel mit 80 Gästen

100-jährige Projektteilnehmerin Maria Braun aus Lauenburg vor ihrem Portrait bei der Finissage der AWO-Ausstellung in Kiel.

Kiel. Für Fotograf Dr. Bernd Bünsche war das Projekt mehr als nur eine Kunstaktion: "Geprägt war die Zeit des Fotografierens für mich, neben der fotografischen Herausforderung, von dem großen Geschenk des Zuhörens und Betrachtens dieser Menschen mit ihrer Aura des Außergewöhnlichen.“ Zum 100. Jubiläum der Arbeiterwohlfahrt hat er 100 Hundertjährige aus Schleswig-Holstein in kunstvollen Schwarz-Weiß-Fotografien porträtiert. Dafür ist der 75-Jährige insgesamt rund 9.000 Kilometer durch Schleswig-Holstein gefahren und hat die 100-Jährigen in ihrem Zuhause besucht. Die Ausstellung der Bilder wurde am Dienstag nach 100 Tagen Laufzeit in der Bürgergalerie der Förde Sparkasse in Kiel mit einer Finissage beendet.

Der AWO Landesvorsitzende Wolfgang Baasch erläutert den Hintergrund des Projekts: „Die Ziele der Arbeiterwohlfahrt in Gegenwart und Zukunft erklären sich vor dem Hintergrund unserer Geschichte, an die wir uns in diesem Jahr und mit diesem besonderen Projekt erinnern wollen. Die Vision von einer Gesellschaft, die von Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit geprägt ist, geben wir auch heute nicht auf. Denn das ist gerecht, das ist AWO. Seit 100 Jahren.“

Die Sparkassen-Finanzgruppe Schleswig-Holstein unterstütze das Projekt und stellte in der Förde Sparkasse auch die Räumlichkeiten für die Ausstellung und die einzelnen Veranstaltungen zur Verfügung. "Es kommt nicht oft vor, dass ein landesweit bedeutsames Projekt sowohl im Bereich des Sozialen wie auch der Kultur liegt", so Dr. Christof Ipsen, stellvertretender Geschäftsführer des Sparkassen- und Giroverbandes für Schleswig-Holstein. „Umso mehr bin ich erfreut, dass unsere Sparkassenstiftungen in Kiel und Lübeck den opulenten Begleitband förderten: so bleibt das wichtige Thema der Hochaltrigkeit wie auch die anrührende Wirkung der Bünsche-Bilder auf Dauer präsent".

Großer Andrang in 100 Tagen

Mit viel Feingefühl und Geduld schaffte es Dr. Bernd Bünsche, bei seinen Treffen mit den 100-Jährigen, eine vertrauensvolle Atmosphäre aufzubauen. Er sprach mit ihnen über Familie, Freunde, Alltag, Politik und Gesellschaft. Der Fotograf, viele Jahre in der Stiftung Landesmuseen Schloss Gottorf tätig, schuf im Laufe seiner Arbeit bereits eine Serie eindrucksvoller Fotografien aus dem Alltag von Menschen.

Von August bis November gab es im Rahmen der Ausstellung zusätzlich mehrere Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themen. So zeigte beispielsweise ein Dokumentarfilm von Kay Gerdes die Jahre nach dem Krieg, Rolf Fischer von der Geschichtswerkstatt gab einen Einblick in 100 Jahre Geschichte im Norden und die Chefärztin der Geriatrie im Städtischen Krankenhaus, Dr. Martina Thieves, erklärte in einem Vortrag, wie man 100 Jahre alt wird. "Die Ausstellung erlebte in den 100 Tagen, in der sie in der Bürgergalerie der Förde Sparkasse zu sehen war, einen ganz außerordentlichen Zuspruch. Mit großem Interesse, aber auch mit großer Begeisterung besuchten viele Bürgerinnen und Bürger dieses einzigartige Projekt.", sagte Götz Bormann, Vorstandsvorsitzender der Förde Sparkasse.

In Zukunft wird die Ausstellung noch an weiteren Orten in Schleswig-Holstein gezeigt werden. Ob es gewöhnlich oder außergewöhnlich ist, 100 Jahre alt zu werden, beantwortete Dr. Marcus Ebeling vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung und Universität Rostock in einem Vortrag bei der Abschlussveranstaltung.

„Ein Lebensalter von 100 Jahren und mehr, ist aus meiner persönlichen Sicht etwas Außergewöhnliches und auch statistisch erreicht nach wie vor nur ein kleiner Teil der Bevölkerung dieses Alter. Allerdings zeigen die Trends der jüngeren Vergangenheit und auch verschiedene Bevölkerungsprognosen, dass dieser Anteil zukünftig weiter wachsen wird“, so Dr. Marcus Ebeling.

Im Anschluss berichtete Jürgen Weber vom Beirat für Geschichte und der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte unter dem Motto Erfahrungen für die Zukunft über 100 Jahre AWO in Schleswig-Holstein. „Von Beginn an waren Helfen und Gestalten die Leitmotive der AWO. Soziale Arbeit wurde nie nur als Bewahrung, sondern als Voraussetzung für Veränderung verstanden. Die AWO war ein Grundpfeiler der jungen Demokratie in Deutschland. Sie ist es bis heute geblieben“, sagt Jürgen Weber.

Bildband zum Projekt erscheint zeitgleich

Um auf das Projekt auch bundesweit aufmerksam zu machen, wurde neben der Ausstellung auch ein Bildband veröffentlicht. Dank der Unterstützung durch die Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein, die Sparkassenstiftung zu Lübeck und die Stiftergemeinschaft der Förde Sparkasse konnte das umfängliche, opulent gestaltete Buch der Murmann Publisher GmbH im Wachholtz Verlag (Kiel) herausgegeben werden. "Die Fotografien von Wolfgang Bünsche sind überaus beeindruckend. Lebensspuren. Wir freuen uns, mit unserem Buch im günstigen Fall etwas dazu beigetragen zu haben, dass die Fotografien auch über die Ausstellung hinaus ihre Wirkung entfalten können“, sagt Dr. Sven Murmann, Verleger vom Wachholtz Verlag.

Hundertjährige zu Gast bei Finissage

Den besten Eindruck von einem hundertjährigen Leben vermitteln an diesem Abend aber die Hundertjährigen selbst. Mehrere Projektteilnehmer*innen sind zur Finissage angereist. An der Umsetzung des Projekts waren viele Köpfe aus der Region beteiligt. So wurden die großformatigen Fotos beim Fotofachgeschäft VICO in Kiel gedruckt. Der AWO-Landesvorsitzende Wolfgang Baasch bedankte sich für die vielfältige Unterstützung. „Das Projekt zeigt, dass regionale Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein sehr gut funktioniert. Ich bedanke mich bei allen, die diese Ausstellung heute möglich gemacht haben.“