Wohnangebote

Die psychosozialen Dienste der AWO in Schleswig-Holstein betreiben landesweit vier verschiedene Wohnangebote für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen sowie mit geistigen oder Mehrfachbehinderungen. Das Angebot reicht von der Betreuung in einem Übergangswohnheim über therapeutische Wohngemeinschaften und betreutes Wohnen in Familien bis hin zu einer Wohn- und Fördereinrichtung für Erwachsene mit Behinderung und besonders herausforderndem Verhalten

Übergangswohnheim

Das AWO Wohnheim "Das Schiff" ist ein Wohn- und Betreuungsangebot für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, die auf einen beschützenden Rahmen angewiesen sind. Die Aufenthaltsdauer richtet sich nach den individuellen Voraussetzungen jedes Einzelnen, ist zeitlich nicht begrenzt und so lange möglich, wie es erforderlich ist.

Das Wohnheim hat eine Kapazität von 28 Einzelzimmern auf drei Etagen und einen speziellen Wohnbereich für Frauen. Die Zimmer sind möbliert, können aber auch zusätzlich oder ausschließlich mit eigenen Möbeln ausgestattet werden. Sie sind als Doppel-Appartements zusammengefasst, zwei Personen teilen sich einen Sanitärbereich mit Dusche und einen kleinen Flur. Jedes Zimmer verfügt über einen Anschluss für Telefon und Kabel-TV. Weiterhin gibt es in jedem Wohnbereich einen Aufenthaltsraum und eine Wohngruppenküche, in der selbst gekocht werden kann. Ein Speiseraum für das zentrale Frühstück, Mittag- und Abendessen, sowie ein Bewegungs- und Beschäftigungstherapieraum runden die räumlichen Angebote ab.

Nach einem Informations- und Aufnahmegespräch wird ein einwöchiges Probewohnen vereinbart. Dieses dient dem gegenseitigen Kennenlernen und ist die Entscheidungsgrundlage für den endgültigen Einzug. Die Zustimmung des Kostenträgers ist hierbei Grundvoraussetzung. Ziel und Aufgabenschwerpunkt ist es, den Betroffenen den Übergang zu einer möglichst eigenständigen und selbstverantwortlichen Lebensführung zu ermöglichen.

Die Mitarbeiter*innen im Wohnheim sind „Rund-um-die-Uhr“ für die Bewohner*innen da. Im Mittelpunkt der Betreuung steht die individuelle Förderung. Sie werden bei ihren Wünschen und Bedürfnissen und bei der Gestaltung von Hilfen und Assistenz intensiv beteiligt und begleitet. Grundlage ist der zwischen den Betroffenen, dem Leistungsträger und dem Wohnheim vereinbarte Hilfeplan.

Jede*r Bewohner*in bekommt eine*n feste*n Ansprechpartner*in, es gibt ein Tages- und Wochenprogramm, sowie Begleitung und Unterstützung in allen persönlichen Angelegenheiten. Angebote wie Beschäftigungs- und Bewegungstherapie, sowie Freizeitangebote ergänzen die Tagesstrukturierung. Das Mitarbeiter*innen-Team setzt sich aus den Berufsgruppen der Sozialpädagogik, Theaterpädagogik, Ergotherapie, Heilerziehungspflege und Alten- und Krankenpflege zusammen.

Die ambulante medizinische Versorgung erfolgt durch niedergelassene Ärzte und die Institutsambulanz der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Klinikums Elmshorn und dem Standort im Krankenhaus Pinneberg. Grundsätzlich gilt eine freie Arztwahl. Im Wohnheim wird großen Wert auf eine Atmosphäre gelegt, die das Wohlbefinden fördert. Sie ist für die Mitarbeiter*innen täglicher Antrieb in der Gestaltung ihrer Arbeit.

Therapeutische Wohngemeinschaften

Die Psychosozialen Dienste der Arbeiterwohlfahrt betreiben zwei betreute Wohngemeinschaften im Kreis Pinneberg. Sie stehen psychisch erkrankten Menschen ab 18 Jahren offen, die nach einer Krise oder einer belastenden Lebenssituation Unterstützung bei der Bewältigung ihres Alltags brauchen und (noch) nicht in der Lage sind, alleine zu leben.

Die Bewohner*innen werden in der Woche tagsüber von zwei Sozialpädagog*innen begleitet und betreut. Dabei geht es um das (Wieder)erlernen von Selbständigkeit, einen adäquaten Umgang mit der Erkrankung, die Erprobung unterschiedlicher Beziehungsformen und den Einstieg in berufliche und soziale Zusammenhänge, wie auch die Unterstützung im Umgang mit Ämtern und Behörden. Die Wohngemeinschaften befinden sich in zentral gelegenen Einzelhäusern mit Garten. Den Bewohner*innen steht ein eigenes Zimmer zur Verfügung, das individuell eingerichtet werden kann. Küche, Bäder und Aufenthaltsräume werden gemeinsam genutzt.

Es gibt ein Wochenprogramm mit verschiedenen Angeboten, zum Beispiel: Gesprächsrunden, Zeit für Einzelgespräche, gemeinsamen Freizeiten wie Kino, Theater, Feiern, Ausflüge und vieles mehr. Einmal im Jahr wird gemeinsam eine mehrtägige Gruppenfahrt unternommen. Die notwendige medizinische Versorgung wird durch die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzt*innen, Krankenhäusern und dem sozialpsychiatrischen Dienst gewährleistet. Vor dem Einzug in die Therapeutische Wohngemeinschaft findet zuerst ein Informations- und später ein Bewerbungsgespräch statt. Anschließend wird ein Probewohnen für eine Woche vereinbart.

Die Übernahme der Kosten kann beim zuständigen Sozialhilfeträger beantragt werden.

Betreutes Wohnen in Familien

Das Angebot des Betreuten Wohnens in Familien ist ein gemeindeintegriertes Unterstützungsangebot, bei dem Menschen mit Behinderung in einer Familie, in Lebensgemeinschaften oder mit einer Einzelperson zusammenleben. Die Familien nehmen die Mitbewohner*innen in ihr Lebensumfeld auf und lassen sie an den alltäglichen Abläufen teilhaben. Die Familie erhält für den Betreuungsaufwand ein angemessenes Entgelt. Das Leben in der Familie kann auf Dauer angelegt sein oder als Zeit der Orientierung und Eingliederung mit dem Ziel der späteren selbständigen Lebensführung genutzt werden.

Die Familien werden durch ein professionelles Fachteam begleitet. Jede Familie und jede*r zukünftige Mitbewohner*in werden sorgfältig auf das zukünftige Zusammenleben vorbereitet. Ziel ist unter anderem ein barrierefreies Leben in der Gemeinschaft, die Erhaltung größtmöglicher Selbständigkeit und Eigenverantwortung und die Erhöhung des Selbstwertgefühls.

Haus am Lerchenweg

Das Haus am Lerchenweg ist eine Wohn– und Fördereinrichtung mit einem hausinternen Tagesförderbereich. Hier leben 26 erwachsene Menschen mit schweren geistigen und Mehrfachbehinderungen mit besonders herausforderndem Verhalten. Mit zahlreichen Außenkontakten sollen die Bewohner*innen auch außerhalb der Einrichtung ein zweites Milieu erleben.

Die Übertragung und Anwendung von Methoden der persönlichen Zukunftsplanung und Fallbesprechungen dienen als Grundlage, Teilhabemöglichkeiten im öffentlichen Leben der Gesellschaft unabhängig vom Grad der Selbständigkeit zu planen, umzusetzen und zu ermöglichen. Daher gilt es, sich regelmäßig mit den Wünschen, Bedürfnissen und der Wohn- und Lebenswelt der Bewohner*innen reflektiert auseinanderzusetzen.

Das Leben im Haus am Lerchenweg soll so nah wie möglich normalen Lebensverhältnissen gleichen. Deshalb wird das gesamte soziale Lebensumfeld so gestaltet, dass individuelle Kompetenzen entwickelt werden können, um soziale und gesellschaftliche Integration gelingen zu lassen. Dabei steht der Gedanke der Inklusion im Vordergrund. Erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung zu begleiten, bedeutet die permanente Auseinandersetzung mit verschiedensten Einstellungen und Haltungen und die wertschätzende Begegnung auf Augenhöhe.

„Alles was wir hören ist eine Meinung, keine Tatsache. Alles was wir sehen ist eine Perspektive, keine Wahrheit.“ (Marcus Aurelius)

Die Aufgabe unseres Hauses besteht darin, Menschen mit Behinderungen, deren Angehörige, Freunde und Interessierte bei der Förderung, der Entwicklung und dem Leben in einem sozialen und gleichberechtigten Umfeld zu beraten und zu unterstützen. Im besten Falle entstehen so Lebensqualität, Lebensfreude und Spaß.

„Manches wird erst gut werden, wenn wir es gut sein lassen.“ (Ernst Ferstl)

Regionale Unternehmen, Einzelhändler vor Ort, Schulen und Sportvereine sind für die Lebensqualität der Bewohner*innen von großer Bedeutung. Wir danken den Partner*innen für ihre Toleranz und Zusammenarbeit.